Wenn auf dem Etikett statt Eau de Parfum „Parfum“ oder „Extrait de Parfum“ steht, hast du es in der Regel mit einer höheren Konzentration an Duftöl in der Formel zu tun. Der genaue Prozentsatz folgt jedoch keiner festen Regel: Jedes Haus legt seinen eigenen Bereich fest, sodass ein Extrait in der Praxis näher an einem Eau de Parfum eines anderen Hauses liegen kann als an dessen Extrait. Der tatsächliche Unterschied auf der Haut beschränkt sich nicht darauf, dass das Parfüm „länger hält“, sondern hängt davon ab, wie dicht und körpernah es sich anfühlt. Am einfachsten lässt sich das überprüfen, indem du die beiden Konzentrationen desselben Parfüms direkt auf deiner eigenen Haut vergleichst – mit einer kleinen Abfüllung von jeder Variante.
- Die Prozentsätze für „Parfum/Extrait“ sind gesetzlich nicht geregelt; es handelt sich um Richtwerte, deren Bereiche sich von Haus zu Haus überschneiden.
- Das Beispiel Amouage zeigt, wie stark die Werte variieren können: Guidance (Eau de Parfum) enthält 25 % Öl, während Guidance 46, vom Haus als „Exceptional Extrait“ bezeichnet, 46 % enthält – über dem üblichen Bereich für die Kategorie Extrait.
- Eine höhere Konzentration verändert vor allem die Dichte und die Projektion des Parfüms auf der Haut, nicht nur seine Haltbarkeit.
- Ein Vergleich ist vor allem bei ein und demselben Parfüm sinnvoll; ein Paar wie Baccarat Rouge 540 Eau de Parfum und Extrait eignet sich besonders gut für diesen Test.
Was „Parfum“ oder „Extrait de Parfum“ auf dem Etikett wirklich bedeutet
Die Begriffe auf dem Etikett eines Parfüms – Eau de Cologne, Eau de Toilette, Eau de Parfum sowie Parfum oder Extrait de Parfum – entsprechen im Großen und Ganzen bestimmten Konzentrationsbereichen des in Alkohol gelösten Duftöls und keinen gesetzlich festgelegten Werten. Laut dem Wikipedia-Artikel über Parfümerie liegt ein Extrait üblicherweise irgendwo zwischen 15 % und 30 % Öl, Eau de Parfum zwischen 15 % und 20 %, Eau de Toilette zwischen 5 % und 15 % und Eau de Cologne bei nur 2–3 %; dieselbe Quelle hält ausdrücklich fest, dass die Begriffe hinsichtlich der tatsächlichen Konzentration „ziemlich ungenau“ bleiben, weil jeder Hersteller selbst entscheidet, welcher Prozentsatz hinter der jeweiligen Bezeichnung steht. In der Praxis bedeutet das: „Parfum“ oder „Extrait de Parfum“ weist höchstwahrscheinlich darauf hin, dass es sich um die konzentrierteste Variante einer Duftlinie handelt. Es liefert dir aber keine Zahl, die du automatisch mit dem Extrait eines anderen Hauses vergleichen kannst.
Wenn dich eigentlich die niedrigere Konzentrationsstufe interessiert – also der Unterschied zwischen Eau de Toilette und einem gewöhnlichen Eau de Parfum –, behandelt der Artikel Eau de Parfum oder Eau de Toilette genau diesen Aspekt. Der vorliegende Artikel befasst sich nur mit dem oberen Ende des Spektrums, bei dem die Bezeichnungen „Parfum“ und „Extrait“ auftauchen.
Warum der Prozentsatz von Haus zu Haus variiert: das Beispiel Amouage Guidance und Guidance 46
Um zu sehen, wie sehr es auf das Haus und nicht nur auf die Bezeichnung ankommt, lohnt sich der Vergleich zweier echter Produkte aus derselben Amouage-Linie. Amouage Guidance wird auf der offiziellen Produktseite als Eau de Parfum mit einer Konzentration von 25 % Duftöl beschrieben. Die Variante Amouage Guidance 46 wird vom Haus als „Exceptional Extrait“ präsentiert und enthält 46 % Öl – mehr als doppelt so viel wie Guidance und mehr als der Bereich von 20–30 %, den dieselbe Seite als allgemeinen Richtwert für die Kategorie Extrait angibt.
Dieser Unterschied ist kein Einzelfall: Er zeigt, warum ein von einem Haus angegebener Prozentsatz nicht automatisch auf ein anderes übertragbar ist und warum es sich lohnt, die genaue Konzentration jedes einzelnen Produkts nachzuschlagen, statt sich nur an der Kategorienbezeichnung auf dem Etikett zu orientieren, wenn du realistisch einschätzen möchtest, was dich auf der Haut erwartet.
Was eine höhere Konzentration auf der Haut verändert – nicht nur, wie lange das Parfüm hält
Eine höhere Konzentration an Duftöl bedeutet nicht nur, dass das Parfüm mehrere Stunden länger auf der Haut hält. Als Erstes fällt dir normalerweise die Dichte auf: Beim Auftragen fühlt sich ein Extrait schwerer und körpernäher an als ein Eau de Parfum derselben Komposition, weil der Anteil des gelösten Öls im Verhältnis zum Alkohol höher ist. Projektion – wie weit der Duft von dir aus wahrnehmbar ist – und Haltbarkeit – wie lange er wahrnehmbar bleibt – nehmen nicht unbedingt im gleichen Maß zu: Sie hängen auch von der Komposition selbst ab und nicht nur vom Ölanteil. Schwere Basisnoten wie Holz oder Amber tendieren unabhängig von der Konzentration dazu, anders zu projizieren und anders lange anzuhalten als Zitrus- oder aquatische Noten.
Deshalb ist ein direkter Vergleich vor allem dann sinnvoll, wenn du zwei Konzentrationen desselben Parfüms unter denselben Bedingungen auf derselben Haut gegenüberstellst – und nicht zwei völlig unterschiedliche Parfüms, bei denen zu viele Variablen eine Rolle spielen, um noch klar sagen zu können, was genau sich durch die Konzentration verändert hat.
EDP und Extrait auf derselben Haut vergleichen: das Duo Baccarat Rouge 540
Maison Francis Kurkdjian Baccarat Rouge 540 in der Eau-de-Parfum-Variante ist ein guter Ausgangspunkt für diesen Test, denn die Extrait-Variante geht von derselben Komposition aus und nicht von einer anderen Rezeptur. Laut Produktbeschreibung verfliegen bei der Eau-de-Parfum-Variante Safran und Jasmin in der Kopfnote schnell, während gebrannter Zucker und Amberholz mit etwas Tannenharz auf der Haut zurückbleiben – ein Duft, der als luftig, aber auch aus der Entfernung wahrnehmbar beschrieben wird.
Für die Extrait-Variante haben wir zum Zeitpunkt der Erstellung keine verifizierte offizielle Angabe zur genauen Ölkonzentration gefunden. Deshalb bleiben wir hier allgemein: Du kannst dieselbe Duftfamilie erwarten, aber eine dichtere und körpernähere Wirkung, ohne dass wir dir einen bestimmten Prozentsatz versprechen. Ein detaillierterer Vergleich der beiden Varianten, Note für Note, behandelt das Thema ausführlicher, wenn du genau danach suchst. Und wenn dich eher der Vergleich zweier Extraits aus unterschiedlichen Häusern statt aus derselben Linie interessiert, geht der Vergleich zwischen Oud Satin Mood Extrait und Baccarat Rouge 540 Extrait auf diesen Aspekt ein.
Damit du nicht gleich zwei ganze Flakons kaufen musst, nur um herauszufinden, ob sich der Unterschied für dich lohnt, enthält das Duo für dieses Paar beide Konzentrationen in kleinen Abfüllungen. So kannst du sie auf deiner eigenen Haut ausprobieren, bevor du dich entscheidest.
So triffst du deine Wahl: Anlass, Dosierung und wie viel du ausgeben möchtest, um es herauszufinden
Ein Extrait wird in der Regel geringer dosiert als ein Eau de Parfum, einfach weil eine stärker konzentrierte Menge Öl mit weniger Sprühstößen auskommt. Das bedeutet nicht automatisch höhere Kosten pro Tragen, auch wenn der Preis pro Milliliter üblicherweise höher ist. Für einen besonderen Abend oder die kalte Jahreszeit passt die zusätzliche Dichte eines Extraits oft besser. Für den Alltag, das Büro oder volle Räume bleibt ein Eau de Parfum für viele Menschen die praktischere Wahl, gerade weil sich seine Projektion leichter kontrollieren lässt.
Wenn du ohne Vermutungen herausfinden möchtest, wie viele Anwendungen eine kleine Abfüllung der jeweiligen Konzentration ergibt, erklärt der Größenratgeber genau, wofür 2, 3, 5 oder 10 ml bei einer üblichen Dosierung reichen. Eine Abfüllung von 2–3 ml jeder Variante genügt, um den Unterschied auf deiner eigenen Haut zu spüren, bevor du über einen ganzen Flakon nachdenkst.
Insgesamt ist „Parfum“ oder „Extrait de Parfum“ auf dem Etikett ein hilfreicher Hinweis, aber keine Garantie für einen bestimmten Prozentsatz: Das jeweilige Haus und das konkrete Produkt sind wichtiger als die allgemeine Kategorienbezeichnung. Am sichersten ist es, die beiden Konzentrationen desselben Parfüms auf deiner eigenen Haut zu vergleichen – mit einer kleinen Abfüllung von jeder Variante, bevor du in einen ganzen Flakon investierst.

